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Im Interview

Jugendredaktion des Virtuellen Umweltbildungszentrums - Zentrum für Medien und Kommunikation
Katrin Echtermeyer, Susanne von Holten

1. Welches sind die Besonderheiten Ihres Projekts?

Die Besonderheit des Projektes liegt in der Verzahnung von medienpädagogischer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (die VUZ-Jugendredaktion) und dem wissenschaftlich fundierten Aufbau eines Internetportals (das Virtuelle Umweltbildungszentrum). „Umwelt sehen und verstehen“, das ist der Leitgedanke des Virtuellen Umweltbildungszentrums (kurz: VUZ), einer Internetplattform zu Umweltthemen für Kinder und Jugendliche. Im April 2003 wurde am Zentrum für Medien und Kommunikation der Universität Leipzig die erste VUZ-Jugendredaktion gegründet, die Umweltthemen für Gleichaltrige recherchiert und für die Internetseite des VUZ aufbereitet. In diesem langfristigen medien- und umweltpädagogischen Projekt engagieren sich jede Woche Leipziger Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 und 15 Jahren. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen Umweltfragen, die Kinder und Jugendliche interessieren und die entsprechend aufbereitet werden: abwechslungsreich, kreativ und leicht verständlich.

Durch die kontinuierliche Arbeit der Jugendredaktion sind seit Projektbeginn zahlreiche Umweltbeiträge in multimedialer Form entstanden (z.B. Berichte, Kommentare, Radio-Umfragen, Interviews, Spiele, Fotostory). Die JugendredakteurInnen tragen durch ihre Beiträge maßgeblich dazu bei, dass aktuelle umweltbezogene Themen kreativ für Kinder und Jugendliche von 12 bis 16 Jahren aufbereitet werden.

2. Welche medienpädagogischen Ziele wurden verfolgt und mit welchen Methoden sollten diese erreicht werden? Welche Probleme sind aufgetreten?

Mit dem Projekt „VUZ-Jugendredaktion“ sind zwei Kernziele verbunden, die auf medien- und umweltpädagogischer Ebene liegen. Ziel ist es zum einen, den beteiligten Mädchen und Jungen Medien als Möglichkeit zur Artikulation ihrer individuellen Meinungen, Erfahrungen und Forderungen an die Gesellschaft begreiflich zu machen. Zum anderen hat das Projekt zum Ziel, die Heranwachsenden im Bereich Umwelt weiterzubilden, zu sensibilisieren und zur kritischen Reflexion anzuregen.

Die praktische Umsetzung des Projektes basiert auf der handlungsorientierten Medienpädagogik und bedient sich der Methode der aktiven Medienarbeit, die das kreative, eigenverantwortliche Handeln von Kindern und Jugendlichen in den Vordergrund stellt. Die JugendredakteurInnen treffen sich pro Woche zwei Stunden und arbeiten selbstbestimmt an ihren Themen. Im Prozess der Arbeit steht den Heranwachsenden eine Medienpädagogin zur Seite. Ihre Aufgabe besteht in der inhaltlichen und technischen Unterstützung der Mädchen und Jungen sowie darin, eigenverantwortliches und zunehmend selbständiges Arbeiten in der Redaktion zu fördern.

Bei der Übertragung des Konzeptes „VUZ-Jugendredaktion“ auf andere Kinder- und Jugendgruppen hat sich gezeigt, dass das Interesse am Thema Umwelt nicht bei allen Heranwachsenden gleich stark ist. Das Thema „Umwelt“ ist zwar nicht grundsätzlich „out“, dennoch laufen ihm andere, jugendrelevantere Themen wie Beziehung, Mode, Sucht, Zukunftsängste mitunter den Rang ab. Unsere Erfahrungen zeigen aber, dass man Heranwachsende dennoch für umweltrelevante Fragen begeistern kann, etwa indem man das Thema Umwelt weit fasst, spannend macht und auf einen direkten Bezug zur Lebenswelt der Heranwachsenden achtet. Zudem kann man sich die Begeisterung der Jugendlichen für Medien zu Nutze machen, um das Interesse für große und kleine Umweltfragen zu wecken.

3. Welche Bereiche der Medienkompetenz fördert das Projekt? Welche Kenntnisse haben die Teilnehmenden erworben?

Durch die Arbeit in der VUZ-Jugendredaktion erwerben die Mädchen und Jungen Kompetenzen, die auf journalistischer, medienpraktischer, medienkritischer sowie interpersonaler Ebene liegen.

Journalistische Kompetenzen: Den Heranwachsenden werden grundlegende journalistische Arbeitstechniken vermittelt, die sie für die Umsetzung ihrer eigenen umweltbezogenen Themen benötigen, wie etwa das Schreiben von Berichten und Reportagen sowie das themenspezifische Recherchieren. Die Themen, die sich die Jugendlichen suchen, weisen meist einen direkten Bezug zu ihrer Lebenswelt auf. Sie werden in den Redaktionssitzungen diskutiert und gemeinsam überlegen die RedakteurInnen, welche die richtige Darstellungsform ist, um Gleichaltrige anzusprechen.

Medienpraktische Kompetenzen: Journalistische Grundkenntnisse reichen nicht aus, um die eigenen Ideen und Gedanken anderen „schmackhaft“ zu machen. Ein weiteres Ziel besteht deshalb in der Vermittlung technischer Kompetenzen. Für die Aufbereitung ihrer Themen arbeitet die Jugendredaktion mit verschiedenen Medien. Zum Einsatz kommen v. a. das Internet zur Informations- und Bildrecherche sowie diverse Computerprogramme (z. B. Word, Cutmaster, Flash, Photoshop), die eine adäquate Umsetzung gewährleisten. Des Weiteren arbeiten die SchülerInnen mit digitalen Fotoapparaten und Aufnahmetechnik für Audio- und Videobeiträge (Mikrofon, Reportergeräte, Videokameras). Diese Kenntnisse helfen den RedakteurInnen, ihre Themen kreativ, anschaulich und professionell aufzubereiten und sie so für eine breite Öffentlichkeit attraktiv zu machen.

Medienkritische Kompetenzen: Die Heranwachsenden werden in diesem Projekt auch zur Medienkritik angeregt. Da das Internet für themenbezogene Recherchen wichtig ist, erlangen sie Fähigkeiten, dieses Medium und die „Wahrhaftigkeit“ seiner Informationen kritisch zu hinterfragen und einzuschätzen. Informationen aus dem Netz werden anhand anderer Quellen (Interviews, Bücher, Artikel) geprüft und ergänzt. Diese Fertigkeiten helfen den RedakteurInnen auch im privaten und schulischen Alltag.

Interpersonale Kompetenzen: Das Erarbeiten der journalistischen Beiträge fördert auch die Teamfähigkeit der Jugendlichen. Durch die gemeinsame Themenfindung und die Gruppenarbeit lernen sie, aufeinander einzugehen und ihre eigenen Standpunkte zu vertreten. Dies ist beispielsweise dann nötig, wenn fertige Beiträge in der gesamten Redaktion diskutiert werden. Hierbei werden die Jugendlichen angehalten, ihren eigenen Standpunkt zu differenzieren und Kritik anzunehmen, was nicht immer leicht fällt. Auseinandersetzungen gehören somit auch zum Alltag der Redaktion.

4. Gab es strukturelle oder pädagogische Grenzen und Stolpersteine bei der Vorbereitung oder Durchführung des Projekts? Wie wurden diese Probleme bewältigt?

Strukturelle Probleme betreffen am ehesten die Finanzierung des Projektes. Hier gilt es, Sponsoren und andere Finanzierungsmöglichkeiten für die Betreuung und die Arbeit der Jugendredaktion zu finden. Diese Aufgabe übernehmen sowohl die Heranwachsenden selbst, als auch die MitarbeiterInnen des Virtuellen Umweltbildungszentrums, indem sie aktiv auf mögliche Sponsoren zugehen.

Pädagogische Schwierigkeiten betreffen den Betreuungsaufwand für die gesamte Gruppe und die/den Einzelne/n. Durch das lange Bestehen der Gruppe und das gewachsene Vertrauensverhältnis zu der betreuenden Medienpädagogin tragen die Heranwachsenden auch kleine und große Probleme in die Redaktion, die pädagogisch aufgefangen werden müssen. Im Redaktionsalltag kann eine Betreuerin allein dies jedoch nur schwerlich leisten, ohne die anderen RedakteurInnen aus den Augen zu verlieren. Als optimal hat sich daher ein zweiköpfiges BetreuerInnenteam bewährt.

5. Welche technischen Voraussetzungen müssen gegeben sein?

Die VUZ-Jugendredaktion arbeitet multimedial mit Internet, PC, diverser Software, Radiotechnik, Digital- und Videokameras. Diese umfangreiche technische Ausstattung ist für die Durchführung des Projektes jedoch nicht obligatorisch. Die Erfahrung zeigt, dass sich das Projekt auch mit weniger technischem Aufwand realisieren lässt.

6. Können Sie Ratschläge oder Empfehlungen für NachahmerInnen geben, die medienpädagogische Projektarbeit durchführen oder vorbereiten?

Bei langfristigen medienpädagogischen Projekten wie der VUZ-Jugendredaktion ist es wichtig, die TeilnehmerInnen anhaltend zu begeistern. In der wöchentlichen Redaktionsarbeit immer wieder Höhepunkte zu setzen, ist eine Herausforderung für die medienpädagogische Betreuung der Gruppe. Rechercheausflüge, Treffen mit ExpertInnen, die Organisation von kleinen Feierlichkeiten sind eine willkommene Abwechslung für die Heranwachsenden, die von ihnen zunehmend selbst organisiert werden und für eine gute Stimmung innerhalb der Gruppe sorgen. Der Spaß in der Gruppe wirkt sich positiv auf ihre Motivation aus, neue Beiträge zu veröffentlichen und langfristig an einem Projekt zu arbeiten. Wichtig ist zudem, die Identifikation der Jugendlichen mit ihrem Projekt zu fördern.

7. Was hat den beteiligten Kindern/ Jugendlichen/Erwachsenen besonders viel Spaß gemacht? Welche Teilbereiche des Projekts haben bei der Zielgruppe nachhaltig gewirkt?

Hoch im Kurs stehen bei den Heranwachsenden Umweltthemen, die in ihrem Lebensumfeld angesiedelt sind, eine gewisse Brisanz besitzen, die gesamte Gruppe interessieren und gemeinsam erarbeitet werden können. Eines dieser Themen war u.a. das „Fischsterben in der Leipziger Pleiße“, das von den JugendredakteurInnen entdeckt, engagiert recherchiert und kreativ umgesetzt wurde. Jugendliche mögen es, „Detektiv zu spielen“ und scheinbaren Umweltsündern auf die Schliche zu kommen. Auch wenn im erwähnten Projekt kein Umweltskandal Ursache der vermeintlichen Katastrophe war, sind zum Thema mehrere Beiträge (S.O.S für die Fische; Fische in Not) entstanden, durch die die RedakteurInnen viel Neues erfahren und gelernt haben.

Spaß bringen den Kindern aber auch Projekte, bei denen die Heranwachsenden ihrer Kreativität freien Lauf lassen können, wie zum Beispiel das Schreiben von fiktiven Umweltgeschichten, das Erstellen von E-Cards oder die Planung und Umsetzung einer interaktiven Umwelt-Foto-Story (Eine schmutzige Spur. Ein Fall für die Umweltdetektive.). Neben der redaktionellen Arbeit begeistern sich die Mädchen und Jungen auch für die Teilnahme an Wettbewerben, Schülermessen und Jugendveranstaltungen, auf denen sie ihre Arbeit präsentieren, mit anderen diskutieren können und darüber ein unmittelbares Feedback bekommen.

8. Läuft das Projekt noch oder gibt es Anschlussprojekte? Wenn ja: Inwiefern haben sich dabei der Fokus der medienpädagogischen Arbeit, die Zielgruppen, Ergebnisse, Rahmenbedingungen oder Methoden verändert?

Das Projekt läuft noch. Das Konzept der „VUZ-Jugendredaktion“ wurde und wird auf andere Kinder- und Jugendgruppen übertragen. Im Januar 2005 gründete sich eine weitere VUZ-Jugendredaktion in Leipzig, die sich im Gegensatz zu der bestehenden Redaktion jedoch vorwiegend der Radioarbeit widmet. Die sieben Heranwachsenden produzieren einzelne umweltrelevante Beiträge und ganze Sendungen, die sowohl auf der VUZ-Internetseite als auch beim Leipziger Bürgerradio „Radio Blau“ ausgestrahlt werden. Darüber hinaus gibt es seit Kurzem auch in Augsburg eine Umweltredaktion. Auch hier dient das Leipziger Konzept der multimedial arbeitenden VUZ-Jugendredaktion als Grundlage. Unser Ziel ist es, weitere VUZ-Jugendredaktionen in anderen Städten zu etablieren und die Vernetzung der Gruppen untereinander anzuregen.

9. Welche Chancen sehen Sie vor dem Hintergrund Ihres Erfolgs für medienpädagogische Projektarbeit?

Das Konzept der VUZ-Jugendredaktion lässt sich auf Projekte der freien Jugendmedienarbeit übertragen, kann aber auch als Anregung für Medienprojekte im schulischen Kontext dienen. Grundsätzlich sind Medienprojekte dieser Art in allen Themenfeldern denkbar, mit denen sich Jugendliche innerhalb und außerhalb der Schule auseinander setzen. In solchen Medienprojekten lernen sie, Medien als Artikulationsmöglichkeit zu begreifen, mit denen sie an bestehenden gesellschaftlichen Diskursen teilhaben können. Jugendliche lernen hier aber auch die Mechanismen medial vermittelter Diskurse aus der Perspektive der MedienmacherInnen kennen. Medienprojekte wie die VUZ-Jugendredaktion haben das Potenzial, Jugendlichen Artikulationsräume aufzuzeigen, ihnen gesellschaftlich relevante Themenbereiche – etwa Migration, Arbeitslosigkeit, Drogen und eben auch Umwelt – näher zu bringen und die Auseinandersetzung damit anzuregen.

10. Welche Rahmenbedingungen für Projektarbeit sind wünschenswert? Wie kann man diese schaffen?

Für das erfolgreiche Fortbestehen der VUZ-Jugendredaktionen sind folgende Rahmenbedingungen wünschenswert:

1) Steigerung der öffentlichen Aufmerksamkeit und des Bewusstseins für die Arbeit und die Produkte der VUZ-Jugendredaktionen,

2) langfristig gewährleistete finanzielle Absicherung des Projektes,

3) Schaffung von Strukturen, die die Etablierung weiterer VUZ-Jugendredaktionen auf Grundlage des bestehenden Projektes ermöglichen,

4) anhaltende Verzahnung von medienpädagogischer Theorie und Praxis.

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Projektbeschreibung

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