Preisträger 2005
Platz 1: "MIXTOUR – Das Medienmobil"
Arbeitsgemeinschaft Jugendfreizeitstätten Sachsen e.V., Chemnitz
Aus der Kooperation verschiedener Träger (116) der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Gemeinden, Jugendwerken, Jugendringen und Jugendämtern, ist ein mobiles medienpädagogisches Projekt mit Langzeitwirkung entstanden. Das Projekt richtet sich an Kinder ab 10 Jahren und Jugendliche bis 25 Jahren, insbesondere Mädchen und Einsteiger.
In einem mobilen Medienlabor, ausgestattet mit vernetzten Multimediacomputern, digitaler Foto- und Videokameras, Beamer, Mikrosopen, Drucker und Software zur digitalen Bild-, Video- und Soundbearbeitung, wird Starthilfe für eine handlungsorientierte Medienpädagogik, insbesondere in ländlichen Gebieten und Stadtrandlagen gegeben.
Das Konzept sieht folgendes vor: Das Medienmobil kommt an den gewünschten Ort, seien es Jugend- oder Kultureinrichtungen, Gruppen der schulischen und außerschulischen Projektarbeit. Hier kann dann, ohne lange Anfahrtswege oder einschränkende finanzielle Begrenzungen, hineingeschnuppert werden in das, was die Profis tun. Die Jugendlichen werden animiert, Medien zu erforschen und die spezifische Funktionsweise ihren Bedürfnissen dienstbar zu machen.
Zum Spektrum der Vermittlung unterschiedlicher medialer Produkte des mobilen Angebots gehören Musik- und Hörspielproduktionen, Videofilme, Multimediashows und Websites.
2. Preis: Demokratie ist POP! - Beteiligungsorientierte politische Bildung!
ARUG - Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt; c/o Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Niedersachsen Ost gGmbH
Bei den Europawahlen 2004 wählten in der Region um Salzgitter 7% der Wähler rechtsextrem, in manchen Regionen sogar 20%. Etablierte Kameradschaftsstrukturen der extremen Rechten sprachen und sprechen insbesondere viele Jugendliche an, die aufgrund der industriellen Monokultur unter besonderen Zukunftsängsten leiden. Diese Umstände gaben den Anlass "Demokratie ist POP!" zu planen.
Eingebunden in ein Netzwerk kompetenter Fachkräfte, unter Nutzung bestehender lokaler Angebote wie des Bürgerrundfunks und des Bürgerfernsehens fand das Projekt unter Beteiligung von 140 Auszubildenden der Salzgitter AG statt und zwar an drei Standorten, zwei im Westen, einem im Osten. 90% der Beteiligten waren männliche Jugendliche, 50% von ihnen hatten einen Migrationshintergrund. Zu den Themen gehörten z.B.: Salzgitter im NS, Geschichte der Salzgitter AG; Was heißt hier Heimat? Fußball, Gewalt und Rassismus; Rechte Jugendkultur zwischen Clique, Lifestyle und Partei. Aufgabe war die vertiefte Erarbeitung des Themas, die Formulierung der zentralen Infos, die Entwicklung eines Drehbuchs und die Beteiligung an der Produktion einer DVD (Fernsehen, Funk, Internet, Musik…) mit ausgewählten Schwerpunkten sowie die öffentlichkeitsarbeit.
Neben der festen Struktur hauptamtlicher Mitarbeiter wurde das Projekt um Mittel aus dem Bundesprogramm XENOS des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit unter Beteiligung des Europäischen Sozialfonds ergänzt.
3. Preis: Einfach Gleich
Medienwerkstatt Minden-Lübbecke e.V., Lübbecke
Was passiert, wenn ein Mädchen wie Lea nach einem Unfall querschnittgelähmt ist, umzieht und in einer neuen Klasse auf "gesunde" Klassenkameraden trifft? Die interaktive DVD "Einfach gleich" zeigt wie schwierig es ist, wenn man eben nicht (mehr) einfach gleich ist und dennoch dazugehören möchte, weil man selbstverständlich außer seiner Gehfähigkeit ganz genau gleich ist wie viele.
Das Besondere: Es gibt verschiedene Handlungsstränge, an bestimmten Entscheidungspunkten kann der Nutzer der CD seine Entscheidungen überdenken, modifizieren und damit das Geschehen aktiv beeinflussen: Wird die Protagonistin Anschluss an den Klassenverband finden, werden Lukas und Lea ein Paar? Das „Wäre-wenn-Prinzip“ dieser Erzählweise wird zur lustvollen Begegnung mit der Mehrdimensionalität unseres Alltagslebens.
Angeleitet von Medienpädagogen ist mit 20 Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren eine spannende und medial vielfältige Produktion entstanden. Das Drehbuch wurde selbst geschrieben, durch einen Theaterworkshop entstanden erste Zugänge zur Schauspielkunst. Die Musik wurde selbst komponiert, Songs getextet, Drehorte gesucht, Kameraführung und Tonproduktion erlernt und der gesamte Probenprozess ins Internet gestellt, so dass man parallel auch den Fortschritt der Arbeiten beobachten konnte.
Gefördert wurde dieses Projekt in Kooperation des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, des Kreisjugendamts und des Kreisjugendrings sowie durch Eigenleistungen.
Besondere Anerkennungen 2005
ELTERNTALK
Aktion Jugendschutz, LA Bayern e.V., München
Das Präventionsprojekt zur medienpädagogischen Elternbildung richtet sich an alle Eltern, insbesondere an Migranten und sozial benachteiligte Familien. Für Moderationsaufgaben besonders geschulte Väter und Mütter laden andere Eltern zu Gesprächsrunden in privatem Rahmen ein. Dort findet ein Informations- und Erfahrungsaustausch zu Themen rund um Medien, Konsum und Erziehung statt. Zudem erfolgt Unterstützung bei Alltags- und Konfliktbewältigung. Die Vernetzung und Gewinnung weiterer „Moderatoren“ erfolgt durch ein „Schneeballsystem“.
Ziele sind die Angleichung der Chancen von Kindern und Jugendlichen, die über weniger Möglichkeiten zum Umgang mit und zur Kritik von Medien und Konsum verfügen, die Stärkung der elterlichen Medienkompetenz (auch für schwierig erreichbare Gruppen), der Aufbau eines Elternkommunikationsnetzes auf Landesebene. Inzwischen wird ELTERNTALK bayernweit in 18 Regionen angeboten, einige befinden sich bereits in der Verselbstständigungsphase.
Von der Camera Obscura übers Zeichenbrett zum Internet“
Spielen mit Kindern e.V., Bielefeld
Dieses Projekt hat die spielerische Vermittlung der historischen Entwicklung der Medien Bild, Text, Film und Foto im Focus. Durch den Nachbau alter Gerätschaften aus den Bereichen Film, Text, Bild und Fotografie werden Medien nicht nur rezeptiv, sondern auch produktiv-kreativ genutzt.
Die Einführung der Jungen und Mädchen zwischen 8 und 12 Jahren in das Thema erfolgt durch Rollenspiele. In dreitägiger Projektarbeit können die Kinder zwischen dem Zeichenkurs, Filmdreh, Schreibmaschine schreiben lernen und Fotografieren auswählen. Die Kinder schöpfen und bedrucken Papier, fotografieren mit (Loch-)Kameras, entwickeln selbst ihre Filme, bemalen 16mm- Filme, bearbeiten Bilder, Texte, Fotos und Filmmaterial am Rechner, erforschen PC und Internet, schreiben Drehbücher und produzieren Trickfilme. Zur Dokumentation des Projekts erstellen die Kinder Sammelmappen, Collagen, Gemälde, Schilder und Einladungskarten. Sie basteln Daumenkinos. Zum Projektausklang finden Abschlussfest, Premierenfeier, Ausstellung sowie eine Medienrallye statt.
DDR Zeitzeugen
Technologie- und Berufsbildungszentrum Königs-Wusterhausen
Das vorliegende Videoprojekt mit Azubis steht stellvertretend für eines von vielen Projekten. "DDR-Zeitzeugen" befasst sich mit verschiedenen Facetten der DDR. Ein Thema, das für die lernbehinderten oder lernschwachen Jugendlichen aus verschiedenen Handwerksberufen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren aktuell ist. Ziel war es, den Jugendlichen die Vergangenheit Ostdeutschlands nahe zu bringen sowie kritisch zu hinterfragen, zu reflektieren, wie es mit der Einheit Deutschlands heute steht und Diskussionen in den Familien anzuregen.
An diesem Videoprojekt wurde zwei bis drei Mal wöchentlich von März 2005 bis August 2005 gearbeitet. In ihrer Freizeit filmten u. recherchierten die Jugendlichen eigenständig. Neben der Erweiterung der videofilmtechnischen Fähigkeiten der Jugendlichen führte der entstandene 50-minütige Videofilm und dessen Präsentation auch zur positiven Verstärkung des Selbstwertgefühls der Jugendlichen. Betreut wurde das Projekt von einem Medienpädagogen und einer Sozialpädagogin. Gefördert u.a. vom Offenen Kanal Berlin und Xenos, ein Projekt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit.
Homepage: www.kamerakultur.de
Medienwerkstatt Rostock
institut für neue medien, Rostock
Bei der Medienwerkstatt Rostock handelt es sich um eine regionale Jugend- und Kultureinrichtung für audiovisuelle Medienbildung. überwiegend Jugendliche im Alter von 12 bis 24 Jahren nehmen dieses musisch-kulturelle Freizeit- und Bildungsangebot in Anspruch. Dabei verfolgt die Medienwerkstatt drei Prinzipien kreativpädagogischer Medienarbeit. Dies sind projektorientiertes Arbeiten, produktives Lernen und kommunikatives Gestalten. Die Angebote erfolgen im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften, Kursen, Projekttagen, Workshops und Sommercamps.
Ziel ist die Vermittlung von Medienkompetenz über die praktische Beschäftigung mit modernen AV- Medien (vom Rezipienten zum Produzenten) und der produktive, gestaltende Umgang mit Medien. Das leitende Prinzip dabei ist „Learning by doing“: Lernen an und in den eigenen Produktionen. Daneben fördert die Medienwerkstatt Talente und Nachwuchs, unterstützt bei der beruflichen Orientierung zu und schreibt Festivals und Wettbewerbe aus.
"Don´t believe what you see“
Bildungszentrum Bürger Medien, Ludwigshafen
"Don´t believe what you see"– ein Medienkompetenzseminar für Jugendliche im Alter von 15-16 Jahren. Ziele waren die Schaffung eines Bewusstseins für Manipulationen in den Medien Fernsehen und Film, die intensive Beschäftigung mit ausgewählten Filmausschnitten mittels Filmanalyse sowie die Entwicklung und Umsetzung eigener Ideen zur Manipulation mit dem Medium Video unter Einsatz verschiedener Techniken.
In einem theoretischen Teil lernten die Jugendlichen Methoden der Filmanalyse kennen und erarbeiten Beispiele für Medienmanipulationen anhand ausgewählter Filmausschnitte der Kino- und Fernsehgeschichte.
Im praktischen Teil entwickelten die Jugendlichen Ideen für Manipulationen unterschiedlicher Art und setzten diese um. In selbstständiger Teamarbeit entstanden so vier Beiträge mit den Schwerpunkten manipulierte Interviews, Morphing, Blue Box Effekt und krisenberichterstattung. Die Dokumentation des Seminarverlaufs mit der Videokamera sowie die Vorstellung der produzierten Ergebnisse gaben Anlass zur Diskussion.
Aktive Spielfilmarbeit gegen Gewalt, Ausgrenzung und Rassismus
komma e.V. Verein für Sucht- und Gewaltprävention
Im Rahmen a ktiver Spielfilmarbeit gegen Gewalt, Ausgrenzung und Rassismus entstanden 2004 zwei Filme. Der Film "Provinz" beschäftigt sich mit verfeindeten russlanddeutschen und türkischen Jugendgruppen aus sozialen Brennpunkten, der Film "Yeter. Es reicht" mit türkischstämmigen Mädchen und Frauen. Nach einer schwierigen Phase der Annäherung und des Aufbaus von Vertrauen wurden mit den Jugendlichen Geschichten und Drehbücher entwickelt sowie Rollen und Aufgaben in der Technik verteilt.
Ziel des Films „Provinz“ war es, verfeindete Jugendgruppen zusammenzubringen, Differenzen und Vorurteile abzubauen, das Fremde als „anders“, nicht als ethnisch und kulturell „schlechter“ zu begreifen und parallel dazu Medienkompetenz anzueignen.
Durch die gruppendynamischen Prozesse während des Projektes ist es gelungen, einzelne Gruppen zusammenzubringen und Veränderungen im Intoleranz- und Gewaltverhalten der Jugendlichen zu bewirken. Themen wie Rassismus, Gewalt und Sexismus wurden transparent gemacht. Beim Film "Yeter. Es reicht" thematisierten türkischstämmiger Mädchen und Frauen ihre Lebenssituationen - ein emanzipatorischer Ansatz, da den Betroffenen in eigener Umwelt dazu kaum Gelegenheit geboten wird.
Im Rahmen einer öffentlichen Vorführung erfolgte eine spannende Diskussion mit Interessierten, Eltern und Freunden.
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