Dieter Baacke Preis - Projekte - Fotocollage Logo der Gesellschaft für Medienpaedagogik und Kommunikationskultur (GMK)

Preisträger 2006

Platz 1: "Radio Sloschnaja Kompanija", Projekt und Plattform für russlanddeutsche und deutsche Jugendliche

Foto: Internetradio rasik.de - Junge Moderatoren

CoLab gGmbH i.G., Speyer

Das Internetradio "rasik.de" wird von jungen Aussiedlern und einheimischen Jugendlichen in deren Freizeit gemacht und von professionellen Kräften unterstützt. Die "Arbeit" wird von den Jugendlichen ehrenamtlich geleistet, motiviert durch ihren Erfolg und durch den Spaß an den Produktionen.
Das Radioteam produziert regelmäßig Sendungen und strahlt diese live übers Internet aus. Dabei sind Musik sowie Moderation deutsch und russisch. Die Hörer und Hörerinnen sind ebenfalls eingebunden. Sie wirken interaktiv mit, indem sie mit dem Radioteam über Chat in Verbindung stehen. Neben redaktionellen Beiträgen wird Musik vorgestellt und werden Hörergrüße ins Netz gesendet.
Programme stehen nach der Sendung zum Download bereit. Nachträglich geschnittene Sendungen werden von offenen Radiostationen auf UKW ausgestrahlt.
Die gemeinsame Arbeit an Medienprojekten (z.B. Internetmagazin, Webradio) wird durch Fachstammtische und Seminare begleitet.
Parallel wirkt das Radioteam an weiteren Projekten mit. So hat das Radio hauptverantwortlich an der Produktion der CD "RAP Sbornik No.1" mitgearbeitet, die erstmals die deutsch-russische HipHop-Scene vorstellt.
Ziele sind die Integration junger Aussiedler in die deutsche Gesellschaft, das Kennenlernen verschiedener Kulturen, die Vermittlung von Medienkompetenz, der Ausbau der regionalen "Mediengemeinschaft" und vieles mehr.

Download: Laudatio als PDF-Datei
Homepage: www.rasik.de

2. Preis: Young Frankfurt meets young Guangzhou (Deutschland – China) – Ein virtuelles Austauschprojekt

Foto: Ausschnitt Videobrief Guangzhou

Gallus Zentrum, Frankfurt/M. in Kooperation mit dem Gymnasium Wöhlerschule in Frankfurt a.M. und einem Gymnasium in der Partnerstadt Guangzhou

Schüler und Schülerinnen im Alter von 16-18 Jahren, die sich normalerweise nicht begegnet wären, hatten die Möglichkeit zur Begegnung und zum kreativern Austausch mittels Internet. Die Projektsprache war englisch.
Die erste Projektwoche im September 2005 stand unter dem Motto "Wir stellen uns vor". Beide Seiten produzierten Selbstportraits mit unterschiedlichen Medien. Gearbeitet wurde in den Workshops Video, Musik und Fotografie.
Im Dezember schickten die chinesischen Schüler und Schülerinnen CD-ROMs mit Filmen, Musikstücken und Powerpointpräsentationen, die von den deutschen Jugendlichen in eine Internetseite integriert wurden.
Für die zweite Projektwoche konnten über E-Mail-Kontakt folgende Themen vereinbart werden: world cup/sports, individuality, movies, freetime&music, food, made in china/germany, travel.
Drei Gruppen der Wöhlerschule bearbeiteten die Themen künstlerisch und kreativ.
Eine vierte Gruppe, die Redaktionsgruppe, hielt den Online-Kontakt zu den chinesischen Schülern und Schülerinnen aufrecht, lud die Produktionen hoch und erklärte den chinesischen Jugendlichen, wie es geht.
Ein Wermutstropfen: Obwohl es nicht zu beweisen war, kam in dieser Phase oft das Gefühl auf, dass in China technische oder persönliche Zensur am Werk war.
Ziele sind die überwindung des "digitalen Grabens"(Kofi Annan) zwischen den Kontinenten in Richtung einer offenen Informationsgesellschaft, die Förderung der persönlichen Potenziale durch Multimedialität sowie transnationales und transkulturelles Denken und vieles mehr. Fazit: Die Einblicke in die fremde Kultur haben die Vorurteile relativiert.

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2. Preis: "Urban Culture Cologne 2006: Roots & Routes", ein interkultuerelles und internationales Hip Hop und Medienprojekt

Foto: Roots & Routes

JFC Medienzentrum Köln

Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren aus Deutschland und sieben weiteren europäischen Ländern mit einer Vielzahl kultureller Backgrounds - insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund und benachteiligte Jugendliche - kamen vom 7.-17. Juli 2006 in Köln zusammen, um in Medien-, Tanz- und Musikworkshops ihren Wurzeln nachzugehen. Die Schwerpunkte lagen in den Bereichen HipHop/Reggae.
Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen wurden im Rahmen von Auditionen aus über 80 Bewerbern ausgewählt.
Intensive Workshops wurden von professionellen Künstlern und Künstlerinnen sowie Medienpädagogen und Medienpädagoginnen durchgeführt.
In 6 Tagen entstanden drei Kurzdokus, zwei Musikvideos und sechs Songs. Die Resonanz war sehr positiv, so fand z.B. eine Liveshow beim Summerjam-Festival vor ca. 3000 Zuschauern und Zuschauerinnen statt.
Nach Ende der Kernprojektphase am 17. Juli 2006 wurden die jungen Talente weiter gecoacht, beraten und unterstützt, u.a. im Hinblick auf Labels und Verlage im Musikbereich sowie Praktika und Ausbildungen.
Das Projekt wird im Rahmen des Projekts Roots&Routes International vom EU-Programm KULTUR 2000 und vom Programm ENTIMON des BMFSFJ gefördert.
Ziele waren ängste und Vorurteile abzubauen, Selbstbewusstsein zu stärken, interkulturelles Lernen und Talente zu fördern sowie die Vernetzung lokaler und regionaler Akteure im Bereich Jugendarbeit und Schule durch mobile Angebote vor Ort.

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Homepage: www.rootsnroutes.org

3. Preis: "ausdrucksstark – Modellprojekte zur Medienarbeit mit Heranwachsenden mit Behinderung"

Foto: Filmausschnitt "Mit Socke im Wald"

JFF in Kooperation mit Medienzentrum PARABOL

Gefördert von der "Aktion Mensch" hat "ausdruckstark" innerhalb von knapp zwei Jahren Konzepte für die integrative aktive Medienarbeit erarbeitet und 12 Modellprojekte in den Bereichen Video, Audio und Multimedia mit unterschiedlichen Kooperationspartnern durchgeführt.
Beteiligt waren Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung, Heranwachsende mit psychischen Problemen, verhaltensauffällige Kinder sowie Multiplikatoren und Multiplikatorinnen.
Die einzelnen Projekte wurden mit Teilnehmern und Teilnehmerinnen mit den unterschiedlichsten Behinderungen und verschiedener Altersstufen durchgeführt. Beispiele sind das Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte, Nürnberg, mit einem Radioprojekt mit Jugendlichen im Alter von 15-19 Jahren oder die Heilpädagogische Tagesstätte der Lebenshilfe in Unterhaching mit einem Video-Projekt, an dem Kinder mit und ohne Behinderung im Alter von 7-11 Jahren mitgewirkt haben. Dabei bestimmten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen den Produktionsprozess in allen Projektphasen mit.
Das Spektrum der entstandenen Produkte reicht von Filmen über Liebe, einer Website zum Thema Freundschaft bis hin zu einem Radiobeitrag über Mobbing und Streit in der Schule.
Ziele sind die Integration der Heranwachsenden mit Behinderung zu unterstützen und zu einem Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung beizutragen, die Förderung der Medienkompetenz sowie die Stärkung des Selbstbewusstseins. Zudem sollen Multiplikatoren und Multiplikatorinnen Impulse erhalten.
Entstanden ist eine Dokumentation mit DVD, die beim kopaed-Verlag erhältlich ist.

Download: Laudatio als PDF-Datei
Homepage: www.parabol.de | www.jff.de

 

Besondere Anerkennungen 2006

"Videobriefe Afghanistan Deutschland"

SAEK Dresden (Sächsischer Ausbildungs- und Erprobungskanal) in Zusammenarbeit mit der Dresden International School, dem Evangelischen Kreuzgymnasium und der Amani-Oberrealschule Kabul

Ende Februar 2005 flogen Christine Elmer, eine freie Mediengestalterin und Harald Schluttig vom SAEK (Sächsischer Ausbildungs- und Erprobungskanal) mit einer Bundeswehrmaschine sowie technischem Equipment nach Kabul. Hier erhielten Lehrer und Schüler der Amani-Oberrealschule in einem 2-wöchigen Seminar den Einstieg in die Videoarbeit sowie in das geplante Projekt. Die Finanzierung erfolgte über das Auswärtige Amt.
An beiden beteiligten Schulen in Dresden wurde eine Videoarbeitsgemeinschaft eingerichtet, die sich einmal pro Woche traf, um an den Videobriefen zu arbeiten. Auf diese Weise entstanden eine Reihe von Projekten, in denen die Schüler und Schülerinnen zu ganz unterschiedlichen Themen kurze Videos für den Austausch gestalteten.
Ein Höhepunkt in der Projektarbeit war ein Forum im Juni 2005 zum Thema Afghanistan, in Zusammenarbeit mit der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung.
Im Rahmen der Ausstellung "Afghanistan – Land der Kontraste" wurden die ersten ausgetauschten Videobriefe präsentiert.
Bei der angestrebten Fortführung des Projekts ist die Ausweitung auf das Medium Fotografie geplant. Dabei wird das Internet als "Transport- u. Kommunikationsmedium" eine noch größere Rolle als bisher spielen. Zudem sollen weitere Partner beteiligt werden.
Ziel ist es, über den dauerhaften Austausch von Bildern und Informationen Einblicke in die jeweils andere Kultur und Lebenssituation zu geben und dadurch Verständnis zu wecken.

Homepage: www.saek.de

"Kleines Halbe, große Geschichte"

tbz (Technologie- und Berufsbildungszentrum) Königs Wusterhausen

Den Hintergrund bildet die Tatsache, dass im Lebensumfeld der Auszubildenden des tbz-Wohnheims - Lernbehinderte, bzw. lernschwache schwache Jugendliche - rechtsorientierte Einstellungen bestehen. Einige der Jugendlichen haben Neonazi-Demos einschließlich der damit verbundenen geschichtsverfälschenden Darstellungen der im 2.Weltkrieg stattgefundenen Kesselschlacht in Halbe aktiv miterlebt.
Im Videoprojekt "Kleines Halbe, große Geschichte" filmten und recherchierten zehn Jungen und drei Mädchen in ihrer Freizeit. So ist eine Dokumentation entstanden, die in ihrer Einleitung den Nationalsozialismus in Form einer Trick-Animation darstellt. Im Hauptteil werden die Ereignisse aus dem 2. Weltkrieg sowie die aktuelle Situation in Halbe eindrucksvoll gezeigt. In Interviews und Stellungnahmen kommen Zeitzeugen, die selbst an der Kesselschlacht beteiligt waren oder in Halbe gelebt haben sowie politische Vertreter u.a. der Bürgermeister oder die Pastorin zu Wort.
Unterstützt werden die Aussagen eindrucksvoll durch Fotografien, die die Kesselschlacht zeigen sowie durch aktuelle Aufnahmen z.B. vom Soldatenfriedhof.
Gefördert wurde das Projekt im Programm "Xenos" durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und Europäische Union.
Ziel war es, die Jugendlichen durch das Medium Video für ein sehr anspruchsvolles Thema zu sensibilisieren und zu öffnen. Zudem sollten videofilmtechnische Fähigkeiten erweitert werden sowie das Selbstwertgefühl der Jugendlichen positiv verstärkt werden.

Homepage: www.kamerakultur.de | www.tbz.de

"Eine Frage der Ehre?!" - Jugendmedienwettbewerb

Jugendinformationszentrum München (JIZ) + Initiativgruppe Interkulturelle Begegnung und Bildung e.V. (IG)

Initiiert wurde der Wettbewerb im Herbst/Winter 2005/2006. Angesprochen waren Münchner Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 26 Jahre, verstärkt Mädchengruppen sowie sozial Benachteiligte und Jugendliche mit Migrationshintergrund.
Die beiden Kooperationspartner unterstützten die Medienprojekte soweit wie möglich durch die Bereitstellung von Know-how (medienpädagogisches Personal), Technik (Equipment, Schnittplätze, PCs) und Finanzmittel (Druckkosten, Sachkosten, Honorarmittel). Darüber hinaus boten die IG und das JIZ eigene Workshops (Audio, Comic, Flash, html) an, um eine möglichst vielfältige Auseinandersetzung mit dem Thema zu erreichen.
Entstanden sind 19 multimediale Produktionen zu vorhandenen Geschlechterklischees und Rollenstereotypen: neun Videos, drei Radiobeiträge, ein Rap, ein Improtheaterstück, ein Fotoprojekt, ein Comicheft, ein Kalender, Essays und eine Umfrage. Diese Ergebnisse zeigt eine Wanderausstellung sowie eine projektbegleitende Webseite, die von ehrenamtlich engagierten Jugendlichen gestaltet und technisch umgesetzt wurde (www.eine-frage-der-ehre.de).
Im Rahmen einer öffentlichen Preisverleihung wurden drei Preise verlost. So gab es keine Einteilung in Gewinner und Verlierer im Sinne von "Bessere" und "Schlechtere".
Der Wettbewerb setzte eine fruchtbare, interkulturelle und geschlechtsspezifische Wertediskussion unter den 205 Teilnehmern und Teilnehmerinnen aus mehr als 20 Nationen in Gang. Darüber hinaus animiert die Wanderausstellung andere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die vorhandenen Rollenstereotype und Geschlechterklischees der jeweiligen Kultur (multimedial) zu thematisieren und zu hinterfragen.

Homepage: www.eine-frage-der-ehre.de

„(Selbst-)Darstellung sozial benachteiligter Gruppen in den Medien“ – Videoprojekt mit Insassen der Jugendarrestanstalt Raßnitz

HS Merseburg (FH) Fachbereich Soziale Arbeit. Medien.Kultur

Im Rahmen eines Forschungs-Praxis-Projekts "(Selbst-)Darstellung sozial benachteiligter Gruppen in den Medien" am FB Soziale Arbeit.Medien.Kultur der HS Merseburg sind mehrere Vorhaben aktiver Medienarbeit realisiert worden.
Von Mai bis August 2006 produzierten sechs männliche Jugendstrafgefangene zwischen 20 und 23 Jahren einen eigenen filmischen Beitrag über ihren Alltag in der größten Haftanstalt für Jugendliche in Sachsen-Anhalt mit dem Titel: "Zwischen Kriminalität und Drogensucht. Jugendanstalt Raßnitz – Ein Leben hinter Mauern" (32 Min. Laufzeit). In ihrem Film sprechen die Häftlinge offen und authentisch über ihre Taten, Einsamkeit, Drogenentzug, Neuanfang, Kontakt mit ihren Familien etc.
Bei der Herstellung des Films wurden die Jugendstrafgefangenen von Studenten und Studentinnen der Kultur- u. Medienpädagogik bzw. Sozialarbeit/ Sozialpädagogik unterstützt, die sie z.B. in die Film- und Schnitttechnik einführten. Der Film wurde im August 2006 in der Jugendarrestanstalt vor Anstaltsleitung, Psychologen, Sozialarbeitern, Pädagogen und Medienvertretern präsentiert.
Ziele der Arbeit mit den jungen Erwachsenen waren u.a. medienpädagogische Ansätze im Strafvollzug zu erproben und Strafgefangenen die Möglichkeit zu geben, eigene filmische Beiträge zu produzieren bzw. die öffentlichkeit zu sensibilisieren.
Zudem sollte die Produktion die Persönlichkeitsentwicklung der Beteiligten unterstützten, die Teamfähigkeit fördern und zur Selbstreflexion anregen.

 

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